Tödliches Doppelspiel
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(TOP 50 REZENSENT)    (HALL OF FAME REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Mass Effect: Retribution (Taschenbuch) Drei Jahre nachdem Paul Grayson und Kahlee Sanders die Migrantenflotte vor einer Infiltration durch Cerberus bewahrt haben gehen die beiden wieder getrennte Wege. Während Kahlee ihre alte Stellung in der nach ihrem Vater benannten Grissom Akademie eingenommen hat schlägt sich Paul auf Omega als Söldner im Dienste Arias durch.

Doch all die Jahre ist der Illusive Man seinem ehemaligen Agenten dicht auf den Fersen geblieben und nun hat ihn sein Mann fürs Grobe, Kai Leng, auf Omega aufgespürt. Der Illusive Man will sich jedoch nicht einfach an Grayson rächen und dann irgendwo verschwinden lassen, er betrachtet ihn viel eher als geeignetes Testsubjekt für die Erforschung von Reapertechnologie. Als Kai Lengs Kommando Grayson schließlich stellt manövriert sich Cerberus damit jedoch in eine gefährliche Lage, denn Grayson ist es kurz vor seiner Entführung noch gelungen alles was er über Cerberus weiß an Kahlee Sanders weiterzuleite und Graysons von Kai Leng exekutierte Asari-Freundin war niemand geringeres als die Tochter Arias. Während es für Aria zunächst so aussieht als würde der ihr nur als Paul Johnson bekannte Grayson hinter Liselles Ermordung stecken, beschließt Kahlee sich mit Graysons Informationen an Admiral David Anderson zu wenden. Um Cerberus Agenten in der Allianz zu umgehen wendet sich Anderson jedoch an die Turianer, welche nun einen simultanen Großangriff auf Anlagen und Agenten Cerberus starten, darunter auch jene Station auf der ein mit Reaper-Naniten infizierter Paul Grayson unter der Aufsicht des Illusive Man höchstpersönlich sich allmählich in einen Avatar für die Reaper verwandelt...

Wer natürlich die beiden anderen Mass Effect-Romane aus Drew Karpyshyns Feder kennt weiß dass es nicht lange bei dieser Frontstellung bleibt. Auch in RETRIBUTION ist für überraschende Handlungswendungen gesorgt, die umso mehr davon profitieren dass der Illusive Man nach ASCENSION nun eine wirkliche Hauptrolle einnimmt und mit seinem Doppelspiel sogar Omegas inoffizielle Königin, Aria, hinters Licht führt. Was in RETRIBUTION geschieht könnte auch direkte Auswirkungen auf das Setting von Mass Effect 3 haben, wird Cerberus doch einerseits geschwächt, während es andererseits seine Fühler nach neuen recht ungewöhnlichen Bündnissen ausstreckt. RETRIBUTION könnte auch wie schon ASCENSION und REVEALATION ein kleiner Teaser zu Mass Effect 3 sein, gerade was Admiral Andersons Karriereentscheidungen oder auch Reaper-Hybriden wie Paul Grayson betrifft.

Aber zunächst einmal zurück zum Buch, dass als nettes Detail am Rande, wie schon erwähnt, auch näher auf die Hintergrundgeschichte des Illusive Man eingeht. Zwar wird diese explizit im 2011 erscheinenden Mass Effect Comic REVOLUTION aufgearbeitet werden, doch Mac Walters und Drew Karpyshyn scheinen dem geheimnisvollen Mann im Hintergrund für Mass Effect 3 wohl eine besondere Rolle zugedacht zu haben. So erfährt man in RETRIBUTION erstmals dass der Illusive Man tatsächlich ein Mensch ist und der reichen Oberschicht der Erde entstammt, ja auch dass er vor knapp 30 Jahren, wohl zu Zeiten des Erstkontaktkrieges zuletzt im Militärdienst gestanden ist. Trotz Cerberus Show of Force in Mass Effect 2 macht der Illusive Man deutlich dass seine Organisation einen beachtlichen Schwachpunkt vorzuweisen hat, weil sich der Illusive Man weigert Aliens als Agenten anzuwerben, womit man etwa dem turianischen Großangriff völlig blind gegenübersteht und auch bei Personen wie Aria wenig Einfluss besitzt.

Da man schon in Mass Effect 2 mehrfach die Wahl hatte Informationen über Cerberus wahlweise an die Allianz weiterzuleiten dürfte eine Schwächung der gesamten Organisation unabhängig davon wie man sich entschieden in Mass Effect 3 schließlich Fakt sein. Auch dürfte Admiral Andersons 'Entscheidung' dazu führen dass er in Mass Effect 3 eine prominentere Rolle spielen wird. Dass er allerdings konkret als Berater Councillor Udinas ausgegeben wird entspricht augenscheinlich jedoch nicht dem was man sich erwartet hätte, wenn man in Mass Effect 1 Anderson als Vertreter der Menschheit im Citadel-Rat nominiert und schließlich in Mass Effect 2 auch als solchen angetroffen hat. Was das angeht hätte Karpyshyn eindeutig weniger konkret werden sollen, um die Entscheidungsfreiheit des Spielers nicht zu missachten. Im Sinne einer entsprechenden Nivellierung muss man sich (falls man Anderson zum Councillor gemacht hat) nun vorstellen dieser wäre irgendwann zurückgetreten und nur als Berater für Udina auf der Citadel geblieben. Geschickte wäre es natürlich gewesen, wäre davon zu lesen Anderson sei aus der Politik ausgestiegen und nun als Admiral in irgendeiner dekorativen-bürokratischen Funktion auf der Citadel geblieben.

Gut, einmal abgesehen von solchen streitbaren Kleinigkeiten weiß RETRIBUTION auch mit handfesten Enthüllungen aufzuwarten, etwa in der Darstellung von Paul Graysons Assimilierung durch die Reaper. Da Grayson zum Medium für die Reaper wird, erhält man durch ihn auch einige Einsichten in die Perspektive der Erzfeinde Commander Shepards und wie es ihnen gelungen ist Saren in einen willenlosen Husk zu verwandeln. Graysons Verwandlung sorgt für eine beachtenswerte Spannung, denn je weiter sich die Naniten in ihm ausbreiten, desto mehr wird er zu einem Gefangenen in seinem eigenen Körper, während die Reaper ihm zugleich übermenschliche Fähigkeiten verleihen. Dass Grayson dabei alles andere als ein Unschuldiger ist, sondern sich seiner Schuld voll und ganz bewussst ist, selbst nach dem Ausstieg bei Cerberus wieder zum Söldner und Mörder geworden zu sein, wenngleich er von seiner Abhängigkeit vom Roten Sand los gekommen ist, macht ihn zu einem wahrhaft tragischen Charakter.

Graysons ehemaliges Love interest Kahlee Sanders ist unterdessen nicht so sehr an einer Wiederaufnahme der Beziehung zu Grayson interessiert, als etwas gegen Cerberus zu unternehmen. Ihre gemeinsame Vergangenheit mit Grayson und Cerberus ist es was sie antreibt ihn aus den Händen des Illusive Man zu befreien oder zumindest einen verheerenden Schlag gegen Cerberus Infrastruktur zu landen. Unterstützt wird sie dabei von ihrem ewigen Retter in der Not, David Anderson, der die faulen Kompromisse und die Untätigkeit der Citadel-Politiker satt hat und sich wieder in die Schlacht werfen möchte, ist er doch neben Commander Shepard einer der wenigen der vom Ausmaß der Bedrohung durch die Reaper und Cerberus weiß.

Ein starkes Charakterset das sich Drew Karpyshyn für RETRIBUTION also zurecht gelegt hat. Und wie man es von Karpyshyn erwartet gelingt ihm die Charakterisierung wieder einmal sehr gut, nur dass im Unterschied zu den weniger glanzvollen Leistungen eines Romans wie ASCENSION nun eben eine gehörige Dosis Spannung hinzukommt, wenn mit den Reapern, Aria und Cerberus gleich drei Bedrohungen auf die Protagonisten los gelassen werden und sich so ein wendungsreiches Katz-und-Maus-Spiel ergibt, das sogar noch REVEALATION übertrifft.

Fazit:
Bis dato der beste Mass Effect Roman. Starke Charaktere, gleich mehrere Mächte die sich um sie reißen und ein tödliches Katz-und-Maus-Spiel das die Galaxis für so manchen Beteiligten auf den Kopf stellen dürfte.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 7. Oktober 2010
Kundenrezensionen:
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