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Ja, ja! Wir ergeben uns!
• • • • • (bewertet mit 5 von 5 Punkten)
Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: 32/der Schatz im Silbersee 2 (Audio CD) Die beliebte Europa-Version des Jugendbuchklassikers kann sich nicht nur auf namhafte Sprecher verlassen - wie den Karl-May-erprobten Benno Gellenbeck als Old Firehand (im gleichnamigen Film synchronisierte er einen Tramp, der - Fans erinnern sich - "dagegen" war), Michael Poelchau als Old Shatterhand und natürlich Konrad Halver als Winnetou. Eine umfangreiche und abwechslungsreiche Musik-Track-Kartei steht ihr außerdem zur Verfügung, und, nicht zuletzt: eine Nerven zerrende Geräuschkulisse, von welcher der Regisseur - ebenfalls Konrad Halver - ausgiebigen Gebrauch macht. Als Film-erfahrener Synchronsprecher legt er auch seine Hörspieldramaturgie wie die Synchronfassung eines Films an, der action- und temporeich fast wie im Zeitraffer von einem Höhepunkt zum anderen jagt - und dabei von allem von realistischen Geräuschen im Zusammenhang mit der markanten Erzählstimme eines Hans Paetsch getragen wird. Dabei folgt das Hörspiel zumindest dem Plot des Buchs ausgesprochen originalgetreu: Zahlreiche Szenen, die man in den Filmen vergeblich suchte - vom schwarzen Panther auf dem Raddampfer Dogfish bis hin zum großen Finale, dem Wassereinbruch im unterirdischen Gang - sind hier erstmals außerhalb der Bücher zu erleben.
Trotz seiner unbestrittenen Professionalität als künstlerischer Aufnahmeleiter, und nicht zuletzt auch seiner ausgesprochen sympathischen Erscheinung muss es jedoch gesagt werden: Konrad Halvers literarisches Feingefühl ist gleich Null. Zur Dokumentation hier nur eine meiner liebsten Stilblüten aus der Karl-May-Hörspiel-Literatur:
Old Shatterhand: ...aber wenn ihr euch ergebt, werde ich mein Zaubergewehr nischt sprechen lassen! - (Kurze Pause.) Sie reagieren überhaupt nicht. - Also bitte!! Peng - Umph! Peng - Urgh! Peng - Argh! ... Großer Wolf, genervt: Ja, ja! Wir ergeben uns!
Sehr sinnvoll auch folgender Erzählersatz: Humply Bill: Zauber-Gewehr? Erzähler: Der Humply Bill wurde von Tante Droll belehrt: Tante Droll: Shatterhands berühmter Henry-Stutzen! ... Teufel noch mal: seit 60 Minuten ertragen wir bereits die fürchterlich kreischende Fistelstimme, mit der Horst Beck seine Tante Droll gibt (an den feinen sächsischen Humor von Joseph Offenbachs Hobble Frank aus der Karussell-Version von 1964 darf man hier freilich nicht denken). Wir WISSEN, dass dies Tante Droll ist! Und mehr als offensichtlich ist, dass er seinen Gesprächspartner "belehrt"... Das komplette Hörspiel enthält zahlreiche Erzählsätze, die noch hirnrissiger und überflüssiger sind als ein wackliges Schiffsdeck für eine Raubtierdressur.
Davon abgesehen aber ist Halvers Inszenierung vor allem dies: tempo- und actionreich. Konrad Halver betont das Sensationelle, Reißerische und oft genug: das Grausame der Vorlage. Eltern seien ausdrücklich gewarnt, die CD jungen Kindern ohne vormaliges Reinhorchen in die Hand zu drücken: Wer nämlich jemals das schreckliche Knirschen gehört hat, mit der Konrad Halver den Kopf des berühmten Tierbändigers Salvatore Venuti im Rachen des schwarzen Panthers zerkrachen lässt, oder das Zischen, mit dem das Lange Ohr seine Fackel dem Großen Wolf in beide Augen stößt, wird es so rasch nicht vergessen.
Auch das Grausame, Sensationslüsterne ist jedoch ein authentischer Teil von Karl May. Tatsächlich fiel nämlich auch der berühmte Winnetou nicht als der Tugendbolzen und Mokassins tragender Jesus-Freak vom Himmel, zu welchem ihn vor allem Pierre Brice so nachhaltig verkitscht hat. Die frühen Geschichten (Winnetou II und III) präsentieren ihn als einen Charakter, dem Ehre und Wohl seines Stammes über alles geht. Einer, der, um sie durchzusetzen, nicht barmherziger sein darf als die Wildnis, in der er lebt, und der nicht zögert, einem wehrlosen Weißen in den Rücken zu schießen, wenn es die Situation erfordert. Erst in späteren Geschichten (Old Surehand, Winnetou I und IV) verklärte May seinen Häuptling zur ethisch-moralischen Idealgestalt. Es ist ein Jammer, dass gerade der Karl-May-Verlag dazu beigetragen hat, Mays keineswegs einheitliches Winnetou-Bild zu "vereinheitlichen" - und damit letzten Endes zu verfälschen. Halvers Version besitzt das unbestreitbare Verdienst, die verschütteten, sensationellen bis grausamen Züge von Charakter und Vorlage wieder ans Bewusstsein zu fördern. So erleben wir in Halvers Silbersee, wie Winnetou einen gebrechlichen, wenn auch unhöflichen alten Utah-Häuptling geradezu beiläufig ins Jenseits befördert: "Beim Aufprall wurde seine Hirnschale zertrümmert!" - "Tötet Winnetou!!" Ausgebrannte Augen, zertrümmerte Hirnschalen, abgeschnittene Ohren - alles dies ist hier zwar nicht zu sehen, aber doch in teils drastischer Weise zu hören.
Wer bereit ist, sich auf eine neue, in dieser Form noch von keinem Film abgebildete Karl-May-Welt entführen zu lassen, sollte den Versuch unbedingt wagen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 30. Oktober 2007 | | |
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| Siehe auch folgende Artikel: |
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| | | 3er Box Winnetou 12 / der Schatz im Silbersee 1 42 / Old Surehand 2 31 / Der Schatz im Silbersee 1 058 / Old Shatterhand I 41 / Old Surehand 1
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